Donnerstag, 23. Januar 2014

Die Gesellschaft außer Rand und Band

Meine Lieben,

zunächst einmal möchte ich mich für eure lieben Kommentare bedanken!
Ich stimme euch zu: ich lass die Dinge auf mich zukommen und dann wird sich zeigen, was am besten passt.

So lange ich da noch nicht klar bin, mache ich erst einmal weiter, wie bisher.
Und versuche was Neues, indem ich ein wenig politisch werde
(ich hoffe, euch damit nicht zu vergraulen!).

Ich bin ja in den meisten Dingen nicht topaktuell, vieles braucht seine Zeit, bis es seinen Weg zu mir findet und der Moment passend ist, sich damit auseinanderzusetzen.
So liegt schon seit einiger Zeit "Die Kunst kein Egoist zu sein: Warum wir gerne gut sein wollen und was uns davon abhält" von Richard David Precht in meinem Bücherregal. Erst vor Kurzem kam dann die zum Buch passende Laune und ich mit groooßer Verspätung in den Lesegenuss.

Dazu will ich gleich vorneweg sagen, dass ich ein Precht-Liebhaber bin.
Wie bei allem, scheiden sich nämlich auch bei ihm und seiner Weltsicht die Geister.

Es geht, wie bereits der Titel klar macht, um die Frage:
Was sind wir denn nun von Natur aus?
Gut oder böse?
Egoistisch oder altruistisch (also hilfsbereit, ohne auf unseren Vorteil zu schauen)?

Die Antwort ist so simpel wie fatal:
Wir können -und sind- beides.

Es kommt auf unser Umfeld an, wie wir uns verhalten.
In einer Umwelt, die von Kooperation und Hilfsbereitschaft geprägt ist, haben wir keinen Grund, überkritisch auf unseren eigenen Vorteil zu schielen.

In einer Umwelt aber, in der ich keine Unterstützung erfahre, alles alleine machen muss und immer wieder erfahre, dass andere mir in voller Absicht übel mitspielen ist es nicht verwunderlich, wenn ich mir selbst zunehmend der nächtse bin. Schließlich darf ich nicht darauf hoffen, von anderen Gutes zu erfahren.

Die wunderbare und gleichzeitig erschütternde Pointe ist also:
Wir haben es in der Hand.

Wir haben es in der Hand, in welcher Art von Gesellschaft wir leben.
Unsere Natur können wir nicht dafür verantwortlich machen, von geldgierigen und auf ihren eigenen Vorteil bedachten Menschen umgeben zu sein.

Im weiteren Verlauf des Buches beschäftigt sich Precht daher auch mit der Frage, wie wir in die Finanzkrise geraten konnten, wie Banken zu ihrer machtvollen Position kamen und was unsere Art, die "soziale Marktwirtschaft" zu leben, bedeutet.
Nach detaillierter Analyse formuliert er anschließend Lösungsansätze, sollte das Ziel sein, in einer Gesellschaft zu leben, die tatsächlich sozial wirtschaftet.

Interessant und für mich ein wunderbares Beispiel für unsere derzeitige Logik ist dabei das BIP.
Die soziale Marktwirtschaft will jedem -wenigstens der Mehrheit der Bevölkerung- ein erfülltes und zufriedenstellendes Leben ermöglichen.

Ob dieses Ziel erreicht wird, misst Deutschland allein am Bruttoinlandsprodukt.
Dieses steigt, je mehr pro Kopf konsummiert wird.
Ist das nicht erstaunlich??

Zufriedenheit und ein erfüllendes Leben wird mit großer Kaufkraft GLEICHgesetzt.
Sicher kommen die meisten von uns erfüllt und beseelt von einem schönen Shoppingtag heim.
Aber ehrlich Leute: Lebenserfüllung? So ein Shoppingtag müsste wohl erst noch erfunden werden.

Verwirrend ist auch die folgende Überlegung:
Jede geschriebene und bezahlte Rechnung erhöht das BIP.
Sagen wir also, ich gehe zum Arzt. Ich bekomme ein Medikament. Es hilft nicht.
Ich gehe erneut zum Arzt. Ich bekomme ein anderes Medikament. Es hilft nicht.
Ich wechsele den Arzt. Ich bekomme ein Medikament. Wenn ich Glück habe, hilft es.

Für das BIP, also für den Maßstab unseres gesellschaftlichen Glücks, war das ein Traumvorgang. Viele Leute konnten wegen einer einzigen Krankheit viel Geld verdienen.
Wir müssten alle ganz erfüllt sein, vor lauter verdientem Geld.

Wäre da nicht ich. Als Kranke macht es mich vermutlich eher glücklich,
zu EINEM Arzt zu gehen und das Gefühl zu haben, dort odentlich behandelt zu werden.
In diesem Beispiel gehe ich vllt einmal zum Arzt, bekommen einmal Arznei und das BIP fällt entsprechend geringer aus.

Aber wir sollen deswegen weniger glücklich sein. (???)
Das will ich einfach nicht glauben.
Das ist doch gar nicht logisch!

Es macht mich doch auch nicht glücklich, wenn in meinem Haushalt ständig etwas kaputt geht, das ich ersetzen muss oder wenn alle Kleidung, die ich kaufen kann nach zweimal Tragen den Geist aufgibt. Mich macht sowas unzufrieden.

Glück und Quantität gleichzusetzen ist, im rechten Licht betrachtet, einfach lachhaft.

Die Idee, die der König von Bhutan hatte, statt des BIPs lieber das Bruttonationalglück zu messen und anhand der Ergebnisse 5-Jahres-Pläne für die Wirtschaft zu entwickeln, klingt da schon vielversprechender (und logischer *hust*).

Ihr seht es deutlich: ich schwimme auf der Precht-Welle.
Und somit möchte ich euch zum einen dieses Buch auf das Wärmste empfehlen
und euch zum anderen Fragen: wie seht ihr das?
Sind wir mit unserer Art zu wirtschaften schon am Ziel?
Seid ihr zufrieden mit der Art, wie wir Gesellschaft leben?
Was macht euch glücklich und lässt euch ein erfülltes Leben leben?
Ist es das verdiente und ausgegebene Geld?
Oder habt ihr noch andere Glücks-Asse im Ärmel?

Ich bin gespannt auf eure Sichtweisen und grüße euch herzlich!

1 Kommentar:

  1. Da ich sowieso nicht allzu gerne shoppen gehe habe ich noch nie verstanden wie andere darüber "glücklich" sein können wenn sie von einer Shoppingtour kommen mich stresst das eigentlich eher.
    Ich weiß nicht wie andere Gesellschaft leben aber ich für mich muss sagen ich bin sehr glücklich mit dem Umfeld in dem ich lebe und das ich habe...wenn ich allerdings TV schaue zweifle ich an unserer Gesellschaft :)
    Ich denke jeder sollte sich seine Form von Glück schaffen und auch die andere Form tolerieren die sich vielleicht andere schaffen für ihr Glück.
    Manchmal denkt man vielleicht wenn man einen schlechten Tag hat man ist unglücklich aber da helfen mir 5 Minuten hinsetzen und reflektieren und dann merke ich wie glücklich und toll mein Leben doch eigentlich ist.
    Vielleicht reicht das Geld nicht für ein neues Auto oder für das Wunschkameraobjektiv aber wenn ich es mir dann nach einer gewissen Zeit leisten kann dann erfreue ich mich auch wirklich daran.
    Aber wirklich glücklich machen mich Dinge wie z.B. wenn mich jemand zum Lachen bringt o,.ä.
    Vielen Dank für deinen tollen Beitrag
    Liebe Grüße
    Armida

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