Dienstag, 19. Januar 2016

Das Leben ist wie ein Orientierungslauf

Salut ihr Lieben.

In den vergangenen Wochen über den Jahreswechsel bin ich im Leben versunken.
Es schappte einfach so über mich wie eine große Welle und ich ruderte und schwamm nach Leibes Kräften. Vergangenen Freitag wurde mir dann klar: im Ruderboot wäre es gerade leichter!
Mein Ruderboot hat die Form einer kleinen Pause vom Alltag.

Ich habe mich an die Erzählung eines klugen Mannes erinnert, dessen Namen ich immer vergesse (sorry!).

Er machte lange Zeit Orientierungslauf und berichtete, wie er sich selbst beobachtete. Sobald er die Orientierung verloren hatte, fing er meist an, schneller und noch schneller zu laufen.
Die Orientierung kam dadurch natürlich nicht wieder. Er lief nur viel weiter in die falsche Richtung, bis er einsah, dass er anhalten musste, um den richtigen Weg wieder zu finden.
Nach vielen Jahren kannte er jedoch diesen Drang gut und konnte ihm widerstehen.
Verlor er nun die Orientierung, machte er Halt und nahm sich die Zeit, seinen Weg wieder zu finden, um dann in gutem Tempo wieder loszulaufen.

Dass ich nun angehalten habe, tut gut. 
Dass ich zuvor Wochen orientierungslos gelaufen bin, das war einfach nicht effektiv.
So viel sinnlos verbrauchte Energie!

Jetzt, im Ruderboot, erkenne ich langsam wieder den Weg.
Es kommt zum ersten Mal Freude über meine zweite Schwangerschaft auf.
Ich erinnere mich daran, was ich für ein Mensch sein möchte.
Was für eine Mutter.
Welche Art von Ehefrau, Freundin, Schwester.
Sehe wieder, wie ich arbeiten möchte und warum das so ist.

J. sagte mir - da war ich noch kräftig am Schwimmen: "Du musst dich 'boot-strappen'".
Das bedeutet: sich ganz nach Münchhausen-Art am eigenen Schopfe aus dem Sumpf herausziehen.
Recht hat er.
Niemand kann dich besser retten, als du selbst.

Samstag, 14. November 2015

#prayforparis #prayforpeace



http://www.leehazard.com/wp-content/uploads/2014/06/why1.jpg

Tage wie dieser erschüttern meinen Glauben daran,
dass wir Menschen uns in eine gute Richtung entwickeln.

Ich kann es nicht fassen, dass wir einander dieses Leid zufügen.
Ich verstehe den Grund nicht.
Ich sehe die Notwendigkeit nicht.
Ich sehe nur die Trauer.
Fühle die erdrückende Last, die der Verlust eines geliebten Menschen bedeutet.

Ich höre die Rede der Kanzlerin und weine.

LIBERTÉ.
EGALITÉ.
FRATERNITÉ.
PAIX!!

Lasst uns trotzdem weiter daran glauben, daran arbeiten.
Und jene trösten, denen diese kostbaren Güter
durch den Wahn anderer gewaltsam genommen wurden.

Sonntag, 1. November 2015

Die Häuser-Reihe auf der Fensterbank mit stofflich-guten Nachrichten

Sie schießen aus dem Boden wie die Pilze - kleine Häuschen aus Holz, Keramik und Beton, wahlweise mit kupfernem Schornstein.

Zunächst liebäugelte ich mit dieser Variante von Madam Stoltz:

Haus Set One Size 

Dann kam aber ein lange fälliger Bummeltag mit einer lieben Freundin dazwischen, der mir diese drei bescherte. Ich betrachte sie als Anfang einer neuen Sammlung - schließlich fehlt mir mindestens noch eines in weiß, eines in schwarz und eines mit Tür. Und einen Schornstein habe ich auch  noch nicht... Allerdings muss ich dann in zweiter Reihe bauen, denn der Platz auf der Fensterbank ist begrenzt.


In der Stadt musste ich auch feststellen, dass Muttersein ein bisschen ist, wie Leben auf dem Mond - man kriegt nichts mehr mit. Jedenfalls nichts, das über "Wir haben keine Windeln mehr" oder "Alle Bananen sind aufgegessen" hinaus geht.

So erfuhr ich gestern erst - WOCHEN nach der Eröffnung, dass Braunschweig dem Paradies einen Schritt näher gekommen ist.


Wir haben jetzt nämlich einen Maisons du Monde-Store in der Fußgängerzone.

(ich lasse hier etwas Platz, um diesen Satz seine volle Wirkung entfalten zu lassen)


Wie konnte mir das entgehen? 
Da eröffnet dierket vor meiner Nase einer meiner liebsten Onlineshops eine Niederlassung und ich shoppe noch monatelang weiter wie gewohnt, als hätte sich nichts verändert.

Dass der Himmel ein Stückchen näher gerückt ist (hört außer mir noch jemand Supertramp von Himmeltreppenkäufen singen??), bestätigte sich beim Betreten des Ladens sofort, denn er löste in Sekundenschnelle ein Problem, zu dem mir seit Monaten die Lösung fehlt.

Die Mission lautete: Stoffservietten (bitte in SCHÖN!) wegen "keine-Papierservietten-mehr-kaufen-wollen,-weil-unnötiger-Müll / Kyra-safes-the-planet / wanna-be-Gutmensch" und so.

Bei meiner Suche musste ich feststellen, dass so Stoffservietten leider nicht so fix nebenbei gekauft sind, wie ihre Papierbrüder.
Kleine Rechnung:
Wir bekommen Gäste und sind zu acht. Ein Stofflappen möchte im Schnitt gerne für 5€ pro Stück angeschafft werden. 40€ also für eine Mahlzeit, wenn jeder eine eigene Serviette bekommen soll. Aber vielleicht bleibt der Besuch ja auch zum Abendessen?
Also noch eine zweite Garnitur auf Lager haben.

Besuch einladen muss finanziell wohl überlegt sein.
Bislang sah meine Lösung des Problems daher folgerichtiger Weise so aus: KEIN BESUCH MEHR! (Stimmt natürlich nicht. Ich habe einfach weiter Papierservietten gekauft und mich mit schlechtem Gewissen herumgeplagt. Oder ich hatte einfach keine im Haus - was mich als Servietten-Liebhaberin ernsthaft nervös macht - und konnte daher keine anbieten).

Jedenfalls zur Himmelspforte: da liegen mal eben so diese Entzückies herum:

4 Servietten TRIANGLE aus Baumwolle, 40 x 40 cm, weiß 


4 Servietten TRIANGLE aus Baumwolle, 40 x 40 cm, weiß 

Weiße Baumwolleservietten mit schwarzen und vereinzelten goldenen Dreiecken drauf zu viert für keine 9€. Natürlich sagt mein Gewissen, dass die Näherinnen dieser Servietten sicher ausgebeutet wurden und das fühlt sich mies an.
Da ich jedoch keine faire Alternative gefunden habe und alle gebrauchten Servietten übersäht sind mit fiesen Flecken, habe ich die Dreiecke mitgenommen. 2 Pakete.
Ich versuche auch, mich mit dem Gedanken zu beruhigen, dass ich ja jetzt für eine SEHR LANGE ZEIT keine Servietten mehr kaufen muss und versuche eine Vorstellung avon zu entwickeln, wie viele Bäume deswegen nicht gefällt werden müssen.

Jetzt kann mein Besuch immerhin zu Mittag bleiben.
Aber pünktlich vor dem Abendessen erfolgt der Rausschmiss.
Es sei denn, es finden in nächster Zeit auf wundersame Weise beim kommenden Stadtbummel diese Stoffis den Weg zu mir:

Serviette hellgrau Funke 

So. Kyra ist im Himmel. Kind dagegen knörig.
Höchste Zeit, diesen Post zu beenden.
Genießt euer Wochenende!

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Zähneputzen

Zähne putzen, Zähne putzen, das kann jedes Kind.
Zähne putzen, Zähne putzen, bis sie sauber sind...
habe ich Iko noch vor ein paar Monaten fröhlich vorgesungen, während ich mit einer Fingerzahnbürste seine zarten Zahnspitzchen putzte.

Aus den Spitzchen sind mittlerweile 12 stattliche Milchzähne geworden, aus der Fingerzahnbürste eine Kinderzahnbürste und mein Kind - das hat die Botschaft des Liedes SEHR wörtlich genommen und besteht partout darauf, selbst seine Zähne zu putzen seine Zahnpasta von der Bürste zu nuckeln.
Meine Versuche, seine Beißer nachzuputzen enden jedem Abend in einem großen Drama mit unglücklichem (und erstaunlich kräftigem!!) Kind gegen ratlose Mama.

Ich komme mir schrecklich vor, wenn ich mit Kraft versuche, die Bürste in seinen Mund zu befördern.
Da er diesen massiven Eingriff in seine Privatsphäre natürlich nicht tatenlos hinnimmt und sich nach Leibeskräften wehrt, stößt die Bürste nicht selten unsanft an seinen Gaumen.
Ich setzte mich also nicht nur über seinen Willen hinweg, sondern verletze ihn auch noch.
Und da ist ein Punkt erreicht, an dem ich absolut nicht bereit bin, weiter zu gehen.

JA, ich wünsche meinem Kind gesunde Zähne und will ihm daher den Wert und an die Routine des Zähneputzens vermitteln und gewöhnen.
Aber auf keinen Fall darf das mit Schmerzen und dem Gefühl von Ohnmacht verbunden sein.


Wir brauchten eine andere Lösung.
J geht das Thema gelassener an und sagt: "Die Milchzähne sind dafür da, sich auszuprobieren.
Lass ihn doch selber putzen und sobald wir mit ihm sprechen können, versuchen wir spielerisch, ihm zu zeigen, wie Zähneputzen geht."
Das klang gut, kam mir aber zu wenig, zu einfach vor.
Ich las und las und las, was bei anderen hilft.
Elektrische Zahnbürsten (findet Iko sicher toll. Wird aber trotzdem nicht dulden, dass ICH sein neues Lieblingsspielzeug in der Hand und in seinem Mund nutze und nicht ER). Lieder singen (bei uns keine Hilfe mehr *seufz*). Gegenseitig Zähneputzen (bedeutet bei Iko: Ich putze Mamas Zähne. Und meine.) Fast alle Kinder, bei denen das Zähneputzen schwierig war, waren über 2 Jahre alt. Viele 3 oder 4. Denen kann man natürlich toll den Wert des Zähneputzens erklären oder vereinbaren, dass keine Zähne geputzt werden müssen, wenn das Kind keine Lebensmittel isst, die Karies verursachen können. Für einen 15 Monate alten kleinen Jungen ist das noch nicht so die Hammer-Option (die behalte ich aber im Hinterkopf, für alle Fälle).

Im Moment freut er sich noch, wenn wir ihn fragen, ob er Zähneputzen will.
Er liebt seine Zahnbürste über alles und mag sie nicht mehr hergeben, sobald er sie mal in der Hand hält. Und ich wünsche mir, dass das so bleibt. Einfach weil ich auch gerne meine Zähne putze (echt wahr!) und meine Eltern es respektiert haben, als ich selbst putzen wollte, weil ich der Meinung war, ich könnte das besser (und vor allem für mich schmerzarmer!) als sie (und damit hatte ich auch Recht).
Daher habe ich den Versuch gestartet, Iko wirklich selbst seine Zähne putzen zu lassen.
Morgens setzt sich J mit ihm hin, gibt ihm seine Zahnbürste und putzt selbst seine Zähne und abends mache ich das Gleiche. Lernen am Modell und so.
Kind: überglücklich.
Mama: basserstaunt (und entspannt!), weil Kind fröhlich minutenlang mit der Bürste im Mund fuhrwerkt (reicht locker noch für Abschminken, nachdem meine Zähne geputzt sind), mir dann die Bürste entgegenstreckt und wir sie gemeinsam abspülen und wegstellen.

Sicher - richtiges Putzen ist das nicht.
Aber ich finde, J hat irgendwie Recht: die Milchzähne sind zum Ausprobieren da.
Da macht es doch Sinn, Iko jetzt nach Herzenslust Putzen üben zu lassen.
Denn wenn dann die bleibenden Zähne kommen, ist er längst ein Profi.

Und wie war/ist das mit deinem Kind?

Sonntag, 11. Oktober 2015

Damentasse

Eine Fruchtbarkeitsgöttin zu sein ist ja was Wunderbares.
Wäre da nicht diese allmonatliche nervige Erinnerung daran, dass unser Körper auch tatsächlich allzeit bereit zur FruchtbarkeitsNUTZUNG ist!
Ehrlich - eigentlich würde es doch reichen, dass man das weiß und davon dann bei Bedarf Gebrauch machen - oder nicht?

Andererseits hilft die Tage-Frage natürlich auch bei der Selbstdefinition und spaltet die Frauenwelt in 2 Lager (dachte ich bislang).
Nämlich in die Bindenden und die Tamponierenden.
Pest oder Cholera.
Doof ist beides, nur entscheiden muss sich, wer nicht suppig rumlaufen will.

Es gibt da aber auch noch ein drittes - oder sollte ich sagen viertes - kleines Lager, denn heute geht es mir nicht um die Pille-Durchnehmen-Methode.
Obwohl man damit natürlich dem oben angesprochenen Zustand von "Fruchtkarkeit auf Abruf" schon recht nah kommt...
Also darum geht es nicht.
Sondern um die Lady Cup.

http://www.blumenkinder.eu/shop/images/categories/58.jpg 

Ist das nicht genial und simpel?
Hier das Prinzip:
Die Silikontasse funktionniert wie ein Tampon, hält etwa 3-6h (je nach Andrang) und wird dann geleert, gereinigt und erneut verwendet.
Anschaffungskosten für mein Modell lagen etwa bei 12€.
Eine Einzige genügt.
Bis ans Ende meiner Tage #HammerWortspiel.

Diese nette Grafik veranschaulicht die Situation noch einmal aus der Sichtweise der Unterhosenwahl und macht klar:
ohne geht auch, was zum Beispiel beim Schwimmen oder in der Sauna von Vorteil ist.

https://sugarboxvienna.files.wordpress.com/2014/06/tableau-100.jpg?w=400&h=321 

Nach etwa 10 Monaten Praxistest frage ich mich, warum in aller Welt für diese Dinger nicht mehr geworben wird (, daher mein Post, der leider in keinster Weise gesponsert wird. Ich schreibe allein aus Überzeugung).
Allein das Problem: "Hilfe, es geht los und ich habe nirgendwo einen Tampon und es ist Sonntag und mein Liebster ist nicht da und ich kann doch jetzt nicht so suppend zur Tankstelle rennen!"
- fällt weg.

In diesem Sinne: Tassen hoch! Auf die Fruchtbarkeit!

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Kanken

Es ist passiert.
Ich bin dem Hipster-Hype erlegen, wenigstens Transportmitteltechnisch.
Denn: seit gestern bin ich (zu meiner eigenen Überraschung -STOLZE-) Besitzerin eines
Fjäll Räven Kanken.
Ich fürchte, jetzt ist es um mich geschehen. Ich bin nicht mehr zu retten.

Oder war ich vielleicht schon längst verloren - so als Langzeitvegetarierin, Mit-dem-Fahrrad-zur-Arbeit-Fahrerin, Gemüsekisten-Abonnentin, Fair-und-Second-hand-Kleiderkauf-Bestrebte, Vintage-Verliebte, selbst-Marmelade-Einkochende, hoch-idealistische-an-das-Gute-im-Menschen-Glaubende?

So gesehen stellt sich die Frage, warum ich mich so lange gegen DEN Rucksack gewehrt habe, der dem Kundigen ein Universum an persönlichen Vorlieben in einem Blick offenbart!

Lange wurde ich richtig rebellisch, wenn an mir ein junger Mensch mit Kanken auf dem Rücken vorbeiradelte.

Nun aber sehnte ich mich nach einem kleinen, schlichten, hochfunktionalen Rucksack.
Kein Schnickschnack. Und ein Modell, das verspricht, mich jahrelang treu zu begleiten.
Neu kaufen wollte ich nicht (ah ja, da ist sie ja schon wieder, die Hipstertussi in mir...).
Und dank der Kleinanzeigen fand ich eine gleichgesinnte Haupstadtbewohnerin, sie sich von ihrem Kanken in meiner Wunschfarbe trennen wollte.

Hier ist er.


Und damit ein Hoch auf die wundersame, stetig wirkende Macht der Peer-Groups!

Sonntag, 4. Oktober 2015

Bodenschätze

Ein knöriges Kind am späten Nachmittag kann ja so ein Segen sein.
In Ermangelung anderer Ideen zogen wir also in den Garten, in der Hoffnung, dem Spatz über Sandburgen und Baggermatsch etwas gute Laune entlocken zu können (der Plan ging auf).

Nebenbei ergab sich dann aber noch eine ungeplante Ernte mit unerwrteten Ausmaßen.
Ich begann mit den Mini-Zucchini, die in unserem Schattengarten seit WOCHEN partout nicht weiterwachsen wollen und langsam aber sicher das Interesse von Schnecken und anderen Leckermäulern wecken.

Dann wollte ich nur mal kurz nach den Kartoffeln sehen.
In kürzerster Zeit waren meine Hände rabenschwarz und unter den Fingernägeln machte sich eine fröhliche Dreckansammlung breit (Tolles Gefühl. Wo ist man sonst so lebendig, wie im Dreck? Vielleicht war ich in meinem früheren Leben ein Schwein? So eins von der Sorte mit diesem entzückend gelockten Fell? Eine kleine Stimme in mir ruft im Garten jedenfalls immer: Oh ja! Dreck! Toll! Hinein mit dir und schön drin wälzen!...)
Wo war ich?

Also Hände dreckig und Eimer randvoll. Yay!
Derweil kam J auf die Idee, man könne ja auch mal die zahlreichen Mirabellen in Reichweite pflücken - und schwupps war der nächste Eimer voll.


Stolz wie Oskar kehrten wir mit besänftigtem Kind und fetter Beute in die Wohnung zurück.
Heute heißt es daher Marmelade einkochen und Kartoffeln schälen.

Es gibt doch (fast) nichts Besseres als ein eigenes kleines Fleckchen Grün!