Freitag, 13. Mai 2016

Schwangerschaftsansprachen

Dass ich schwanger bin, ist seit längerer Zeit nicht zu übersehen.
Denn 1. ist die Schwangerschaft mittlerweile weit fortgeschritten und 2. bekomme ich mein zweites Kind und - ja! meine Gebärmutter weiß, was ihr Job ist und macht ordentlich Platz für den kleinen Bewohner.

In der Schwangerschaft mit Iko hielten sich die Bauch-Kommentare im Rahmen, vielleicht gab es gelegentlich die ein oder andere doofe Ansprache, aber das ist irgendwie nicht so zu mir vorgedrungen. Ich erinnere mich noch, wie ich damals im Internet zufällig auf dieses Bild stieß:

When Is It Okay To Ask A Woman If She Is Pregnant? LOL! So true! #pregnantwoman #pregnancyetiquette #howtotalktopregnantwoman:  

Ich fand es ganz lustig, aber auch etwas übertrieben.
Was ist schon dabei, gefragt zu werden, ob man Schwanger sei? - Dachte ich.

In dieser Schwangerschaft geht es mir ganz anders mit den Kommentaren.
Vermutlich liegt das daran, dass ich jetzt als Angestellte arbeite und täglich mit vielen vielen Menschen eng zusammen arbeite. In meiner freiberuflichen Tätigkeit mit Iko hatte ich eher lose Kontakte und die Gespräche mit Klienten und Auftraggebern blieben sehr an der Oberfläche.

Im Moment vergeht kein Tag, an dem ich nicht aufgefordert werde, in ein bestimmtes Büro zu "rollen" oder gefragt werde, ob ich mich mal "vorbeikugeln" könnte.
Ich werde darauf angesprochen, dass ich ja nicht mehr so spritzig schnell gehen würde wie sonst und immer Montags erhalte ich abschätzende Blicke verbunden mit sehr weisen Kommentaren wie:
"Der Bauch wird ja auch immer größer!" (Ach was! Woran kann das nur liegen??)
"Wann ist nochmal der Termin?"
"Bist du sicher, dass das Baby nicht gleich kommt?"
"Gut, dass Herr/Frau XY da ist. Der/die kennt sich aus, für den Fall, dass bei Ihnen gleich die Wehen losgehen."

Gerne werden auch Outfits meine kommentiert
("Die Tunika trägt aber ganz schön auf!" / "In Streifen wirkt der Bauch ja NOCH größer!").

Den Vogel abgeschossen hat aber heute eine Dame, die ich auf einer Konferenz traf.
Ich wartete noch in einer Gruppe stehend auf eine Kollegin, damit wir gemeinsam aufbrechen könnten. Besagte Dame kam auf mich zu und fragte: "Du bist doch schwanger und hast nicht einfach nur 15 Kilo zugenommen oder?" Ich war sprachlos und bejahte ersteres.
"Na dann herzlichen Glückwunsch schon mal. Hast du das eigentlich mit dem Auftraggeber abgeklärt? Ich meine, sind die damit einverstanden? Es ist ja gegen das Konzept, dass unsere Teilnehmer den Pädagogen wechseln müssen. Was passiert denn jetzt mit deinen Teilnehmern?"

"Also, ich hatte nicht vor, die mit in den Kreißsaal zu nehmen", antwortete ich und erläuterte, dass zwei Kollegen meine Teilnehmer übernehmen würden.
Mal ehrlich: IST DAS ZU GLAUBEN?!?!

Vielleicht hätte ich noch ergänzen sollen: "Also eine Schwangerschaft in unserer Position geht nur mit Ausnahmeregelung. Du musst erst einen Antrag stellen. Das ist das Formular "S-ok?", zu finden im System unter "Bitte-Bitte". Die Bearbeitung dauert in der Regel etwa 6 Monate. Wenn es dann gerade mit den Teilnehmerzahlen passt und du dich immer vorbildlich verhalten hast, bekommst du eine Ausnahmeregelung unter Vorbehalt, die für 2 Monate gilt, innerhalb derer du dann schwanger werden darfst...
Irgendsowas in der Art.

Als ich hinterher mit meinen Kollegen darüber sprach waren wir uns alle einig, dass wir kaum glauben konnten, dass alle diese Fragen völlig ernst gemeint waren.

Ehrlich. ich zähle die Tage (es sind nur noch 6!!), bis mein Urlaub beginnt, an den sich lückenlos der Mutterschutz anschließt, einfach weil ich diese Kommentare nicht mehr hören kann. Sie kommen mir auf beiden Seiten zu den Ohren heraus, denn ich finde sie weder nett, noch mitfühlend, noch interessiert, noch positiv und sowieso in keiner Weise hilfreich.

Unschwangere Menschen sprechen wir in der Regel nicht ständig auf ihre Körperform an - es sei denn sie haben krass abgenommen und wir kennen den Menschen gut genug, um vermuten zu können, dass dieser Gewichtsverlust geplant und somit ein toller Erfolg war.
Unschwangere Menschen lassen wir in Ruhe. Wir sagen ihnen auch nicht, wann welche Klamotten auftragen, wohl aber, wenn wir finden, dass sie toll aussehen.

Und vor allem: Unschwangeren Menschen lassen wir in der Regel ihre Privatsphäre.
Wir kommentieren nicht ihr Lauftempo und die Art, wie sie gehen, wir lassen sie einfach Laufen.

Aber kaum trägt eine Frau ein Kind unterm Herzen, gelten alle diese Umgangsformen nicht mehr.
Da darf gefeuert werden, was das Zeug hält - der Bauch ist ja einfach eine so einladende Zielscheibe!

Ich habe das Gefühl, als Schwangere zeitweise für ein grünes Männchen gehalten zu werden. Ihr wisst schon - unbekannte Lebensformen, Marsmenschen zu Besuch auf der Erde in unbekannter Mission.
Schwangerschaft ist ein Sonderfall, kein normales Erscheinungsbild mehr.
Das überfordert die Leute, damit werden sie nicht fertig.
- jedenfalls kommt es mir so vor und das finde ich bedauerlich.

Gerne möchte ich daher fordern: Bekommt mehr Babys, damit Schwangerschaft wieder als normal angesehen wird.

Da das aber nicht geht, so wünschte ich mir doch wenigstens mehr Feingefühl im Umgang miteinander. Weniger Impertinenz (meint: weniger Unverschämtheit/Frechheit) und mehr höfliche Zurückhaltung.

Und wer sich nicht sicher ist, ob er jetzt was sagen darf oder nicht - im Zweifelsfall:

https://erzaehlmirnix.files.wordpress.com/2012/06/einfach-mal-die-kresse-halten.jpg

Sonntag, 1. Mai 2016

Küchen Update

Einen frohen Tag der Arbeit in die Runde!

Sonntag und Feiertag zugleich ruft förmlich danach, daheim zu bleiben und in den eigenen 4 Wänden Dinge anzugehen, die schon lange drücken.
Im Laufe dieser - inzwischen ziemlich fortgeschrittenen - Schwangerschaft ist manches liegen geblieben, auch weil wir überlegt haben: zurück in die alte Heimat? Wohneigentum erwerben?
Nun haben wir einen Kurs gesetzt und bleiben hier. Gleiche Stadt, gleiche Wohnung. Und das für mindestens 2 Jahre.
Daher: keine Ausreden mehr, Störfaktoren zu ignorieren.
Unsere Wohnung ist gut geschnitten und reicht für 4 Leute allemal aus.
Nur richtig gut genutzt ist noch nicht jeder Winkel und so kam es in den letzten Monaten immer wieder zu Stauraumengpässen. Und neben bloßem Mangel an Funktionalität war mir ästhetisch zuletzt vor allem die Küche ein Dorn im Auge. Ich träume sehr bildreich und detailliert von einer tollen Einbauküche. Allerdings sprengen meine Vorstellungen gerade unser Budget und in einer Mietwohnung eine Traumküche zu realisieren muss ja nun vielleicht auch nicht sein.
Zumindest aber konnte es nicht bei diesem wilden Gewürfele bleiben...

Ein großer Störfaktor war für mich immer unser Küchenschrank. Ich habe viel Arbeit in ihn gesteckt und J. und ich haben ihn uns gemeinsam ausgesucht, doch irgendwie wollte er nicht in die Küche passen. Er war zu laut und zog alle Aufmerksamkeit auf sich, selbst nachdem ich ihn farblich dem Weiß der Küche angeglichen hatte. Kurzum: er musste weg.

Und da wir für Iko und Baby #2 eine großartige antike Weichholzkommode als Wickeltisch gefunden hatten (, die ich in hundert Jahren vielleicht auch noch mal zeige...), war die Kommode der liebsten Freundin frei, die ich schon immer immer immer in der Küche haben wollte. Darüber, das stand sofort fest, mussten weiße Hängeregale.

Jaaa... ich war selber überrascht, dass ich Hängeregale wollte, bin ich doch sonst ein großer Fan von Schränken mit undurchsichtigen Türen, weil man dahinter so wunderbar alles Unschöne verstecken kann. Hängeregal machen das Verstecken ja nun eher schwer...
Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb wollte ich sie.
Mit Geschirr drauf.
Quasi als kleinen Appell an mich, öfter mal herzuzeigen, was ich habe, anstatt alles hinter geschlossenen Türen zu horten.
Und da Projekte bei mir grundsätzlich über's Knie gebrochen und vorher nie perfekt durchdacht werden, fuhren wir gestern schnell in den Baumarkt und waren wenig später ebenso stolze wie über den geringen Preis begeisterte Besitzer eines bereits zugesägten weißen Furnierbrettes (für 2 Regalbretter) und 4 passender Konsolen (ich dachte ja, die Dinger heißen einfach auch Winkel. Aber nein: für ein Regal nennt sich sowas Konsole. Wieder was gelernt!).

Anbringung war easy-peasy, die Männer ergriffen freiwillig die Flucht, als es ans Einräumen ging (J. wörtlich: "Oh Gott, dekorieren. Komm Iko, wir gehen Ballspielen!") und so genoss ich nach vielleicht 3 Stunden diesen Anblick:


Große Liebe.
Perfekt? Natürlich noch lange nicht. Aber sooo viel besser als zuvor.


Im Zuge meiner immer mal wieder aufflackernden Minimalismus-Sympathie ist das ausgestellte Geschirr tatsächlich fast unser Gesamtbesitz (wenige Farbexplosionen und Iko's Muster- und Tierreiche Kinderteller und -becher mal ausgenommen. Die verstecken sich in der Kommode).


Der (Rosen?)-Quarz-Kerzensständer lief mir im Fairkauf über den Weg, den ich wegen seiner unglaublichen Preise fast noch lieber mag, als Flohmärkte. Das weiße Schälchen vor dem großen Bonbonglas hat noch ein Geschwister und stammt von Contigo, einer Fairtrade-Kette, die nun endlich auch bei uns Einzug gehalten hat. Die Hornschale unten rechts neben den Bechern ist ein Fund der letzten Handmademesse und begeistert mich immer wieder (sooo eine große Schale aus einem einzigen Horn!? Das ist möglich, weil das Horn aufgeschnitten und erhitzt wird. Die so entstehende Platte kann dann in eine beliebige Form gebracht werden).



Die Holzschale links stammt ebenfalls vom Contigo, mein geliebtes Messingtablett brachten mir meine Großeltern in der Kindheit aus Marokko mit und der Blumentopf stammt von der Schwiegermutter aus diesem Frühling. Er war knallgrün und beherbergte Narzissen und passt sich jetzt ergraut und wie Beton ausschauend wunderbar ins Farbschema ein.



Die Muschel ist ein weiterer Fairkauf-Fund und die handbemalte Schale stammt aus dem Afghan-Warehouse. Ich sagte es schon mehrfach: gefährlicher Laden für jeden, dessen Herz ein bisschen Hippie schlägt...


Unerwartet zufrieden bin ich auch mit meinem ersten Versuch, unansehnliche Pressholzschnittstellen zu kaschieren. Dafür gibt es im Baumarkt Bänder, die direkt auf die betroffene Stelle gebügelt werden. Zugeschnitten, angelegt, drübergebügelt. Ein bisschen festdrücken (z.B. mit einem kleinen Holzstück darüber fahren) und das überstehende Band mit einem Cutter abschneiden. Die Kanten glattschmirgeln - fertig.


Großer Handlungsbedarf besteht noch bei der Kommode.
Der Plan: sobald der Mutterschutz beginnt schleife ich die Türen und Schubladenfronten ab und belasse sie entweder in Natur oder streiche sie Weiß. Die Griffe werden ersetzt durch Ledergriffe.
Und das wilde Durcheinander aus unterschiedlichen Aufbewahrungsgläsern und Gewürzgläsern muss vereinheitlicht werden.


Für den Moment bin ich aber extrem zufrieden mit dem Erreichten.
Welche Projekte gehst du gerade an?

Samstag, 2. April 2016

Frühlingsboten im Kinderkleiderschrank

Ist es zu glauben, dass es SO VIEL Sonne auf einmal gibt?
An einem Tag!?
Irgendwie habe ich über diesen Winter vollkommen vegessen, wie sich Wärme und Sonne anfühlen. Wie gut, dass beide zurück kommen.
Dass April ist, versetzt mich in Hochstimmung. Es ist der letzte ganze Monat, den ich vor Beginn des Mutterschutzes arbeiten werde. Im Mai gönne ich mir schon ein bisschen Urlaub, bevor im Juni der eigentliche Mutterschutz beginnt. Jeder sonnige Tag bringt mich unserem zweiten Baby näher und - oh mein Gott - ich bin soo gespannt auf diesen neuen Erdenbürger!!

Da J. heute von lieben Freunden verplant war, beschloss ich, mit Iko in die Stadt zu fahren und einen Mama-Sohn-Tag zu verbringen, seine Frühlingsgarderobe zu erweitern (weg mit den dicken Pullis - juhuu!) und in der Lieblingscrêperie einen Zwischenstopp einzulegen.
Dort gibt es großartige vegane Galettes (Buchweisenpfannkuchen) mit Maronencreme.


Unsere Kleiderausbeute macht mich dermaßen glücklich. Zugegeben: die Schuhe hat er schon ein paar Wochen, aber sie waren das erste, was ich für den kommenden Frühling für ihn besorgt habe.
Besonders freue ich mich über die Badehose (oben links), weil es dermaßen schwer ist, eine Kinderbadehose OHNE seltsam sinnlose Aufdrucke zu finden und die Trinkflasche.

Da wir ja noch nicht wissen, ob Baby #2 ein Junge oder ein Mädchen wird, versuche ich derzeit möglichst so einzukaufen, dass ich die Sachen auch einem Mädchen anziehen würde.
Jetzt denke ich an meine Mutter... Als ich nämlich in der Schwangerschaft mit Iko versuchte, auch "genderneutral" einzukaufen, sagte sie mir beim Anblick meiner Einkäufe: "Du hast für einen Jungen eingekauft". Seine ersten Sachen waren vor allem grün, braun und ein bisschen blau...
Ob das ein Zeichen ist?

Wie auch immer.
Genießt die Sonne!

Freitag, 1. April 2016

Was macht die Kriegerin, wenn sie daheim ist?

Es ist schon eine Weile her seit ich mit der liebsten Freundin regelmäßig im Zug in die Uni saß.
Auf einer dieser Fahrten - wir mussten vermutlich ein Referat halten - entstand das innere Bild von uns beiden als schwer bewaffnete Kriegerinnen auf dem Schlachtfeld.
Es war ein starkes Bild, das uns half, unseren Master mit tollen Noten abzuschließen und uns nicht entmutigen zu lassen von immer wiederkehrenden Bahnverspätungen und Seminaren, die außer einem tollen Titel deutlich weniger zu bieten hatten, als wir uns erträumten.
Es war ein Bild, das uns half, das Beste aus uns herauszuholen.

Ich bin gerne eine Kriegerin.
Einfach, weil ich gerne eine starke Frau sein möchte.
Eine Frau mit wachem Geist, aufrechtem Gang, klarer Position und dem Mut, für sich, die eigene Meinung und die Menschen und Dinge, die sie liebt, einzustehen.

Eine Frau, die an ihren Niederlagen wächst und ihre Siege mit Stolz feiert.
Die auf ihren Körper hört, auf ihre innere Stimme und bereit ist, ihre Grenzen auszudehnen, um ihre Ziele zu erreichen. Diese Frau geht mit dem unerschütterlichen Glauben an das Gute voran und wenn sie eines Tages alt ist, wird ihr Gesicht gezeichnet sein vom Leben und ihr Geist erfüllt von Weisheit und Dankbarkeit für die Erfahrungen, die sie auf dieser Welt machen durfte.

Nach dem Ende meines Studiums kam diese Kriegerin ein wenig ins Straucheln.
Das neue Schlachtfeld - die Arbeitswelt - folgte anderen Regeln. Training, Analyse und gute Technik besaßen hier einen viel geringeren Wert, als zuvor an der Uni.
Die Kriegerin war verunsichert.
Und je stärker sie versuchte, ihren alten Stil aufrecht zu erhalten, umso mehr scheiterte sie.
Und eines Tages ging sie heim.
Sie musste sich erholen, die Waffen niederlegen und einen Weg finden für diese neue Herausforderung.
Sie bekam ein Kind und wurde eine überglückliche Mutter.
Der Weg ins Muttersein jedoch, gelang ihr nicht gut.
Zu verwirrt war sie, zu sehr hatte sie ihre Position verloren und als sie es am dringendsten brauchte, verweigerten ihr die Helfer auf die sie sich verlassen hatte die Unterstützung.

Die Wunden, die sie davontrug waren völlig anders, als die ihr bekannten und es schien ihr unmöglich, sich von ihnen zu erholen.
Die Verletzung saß so tief, dass sie nicht wusste, von wo aus sie mit der Heilung beginnen könnte.

Doch wie immer heilt die Zeit jede Wunde.
Das Vergangene erblasst im Angesicht einer erfüllenden Gegenwart.

Und so konnte ich vor meiner zweiten Schwangerschaft den Kaiserschnitt mit jedem verstreichenden Monat besser ertragen.
Dieses neue Baby jedoch bringt die Wunde wieder zum Vorschein.
Iko's Geburt - beziehungsweise die Tatsache, ihn nicht geboren haben zu dürfen - schmerzt noch immer.

Im Gespräch mit einer Vertrauten entdecke ich die Kriegerin wieder und bemerke: meine Kriegerin, die ist auf Konfrontation ausgelegt. Sie ist auf dem Schlachtfeld unterwegs - hat also einen klaren Feind. Unter Iko's Geburt waren die Ärzte und die Hebamme meine Feinde.
Eine ganz blöde Situation, denn auf seine Feinde angewiesen zu sein (oder das zu glauben) bringt eine Patt-Situation hervor: Ich kann nicht mit und nicht ohne euch.
Verloren habe ich dabei nicht den Kampf, sondern meine eigene Haltung.

Und so stehe ich vor der Frage: was macht denn eigentlich die Standard-Kriegerin, wenn sie zu Hause ist? Welche Alternative gibt es zum Schlachtfeld?
Brauche ich überhaupt ein Schlachtfeld, beziehungsweise, kann ich das überhaupt als Kriegshasserin, Menschenfreund und Vegetarier mit meinen Überzeugungen vereinbaren?
Kann ich natürlich nicht.

Nun sitzt also die einst so stolze, schwer bewaffnete Kriegerin daheim auf dem Sofa und fragt sich, was sie mit sich anfangen soll.
Und schließlich sieht sie ein, dass ihr das Bild eines Feindes nicht hift. Sogar, dass sie das gar nicht benötigt. Genau so, wie ihre schwere Rüstung, die sie vor der wüsten Umweld schützt und ihre Streitaxt, mit der sie gegnerische Attacken abwehrt.

Was sie braucht, ist die Konzentration auf sich sebst.
Ruhe. Fokus. Gelassenheit. Zuversicht. Und den Glauben an die eigene Kraft.
Sicher: Im Kamf hat sie das alles gehabt. Nur ist eine Schwangerschaft und eine Geburt kein Kampf.
Und ein schwerer Körperpanzer eher unpraktisch, als dienlich.
Die unbewaffnete, kampfunfähige Kriegerin fühlte sich ausgeliefert und chancenlos.
Doch genau das ist sie nicht.

Denn:
Ohne Rüstung steht es sich viel leichter.
Ohne Streitaxt in der Hand ist Raum für Gesten.
Ohne Helm auf dem Kopf wird das Gesicht sichtbar und die Sprache klarer.
Und ohne das Bild eines Gegners sehe ich mich einem anderen Menschen gegenüber stehen.
Ohne den Gedanken an einen Streit begreife ich die Situation als eine, in der zwei Menschen gemeinsam ein Ziel erreichen wollen und können.

Alles was es braucht, ist Mut, die eigene Meinung zu bekunden.
Mut, zu fragen, wenn die Position des anderen unverständlich erscheint.
Mut, den eigenen Bedürfnissen zu vertrauen und sie anderen mitzuteilen.

Anstatt zu sagen: "Du wirst mich nicht hindern!"
vielmehr zu bitten: "Hilf mir dabei, es auf meine Weise zu tun."


 Und so hoffe ich, dass der herbe Rückschlag, den der Kaiserschnitt für mich darstellt, mir hilft, dieses neue Baby auf meine Weise auf die Welt zu bringen.
Versöhnt und in gutem Kontakt mit den von mir gewählten Helfern.
Ohne Axt in der Hand. Ohne den Gedanken, eine Rüstung zu benötigen.
Sondern im Vertrauen auf mich und meine Kraft, die Situation nach meinen Bedürfnissen zu gestalten.

Damit eines Tages, wenn ich alt bin, mein Gesicht gezeichnet sein wird vom Leben und mein Geist erfüllt von Weisheit und Dankbarkeit für die Erfahrungen, die ich auf dieser Welt machen durfte.

Montag, 28. März 2016

verrückte Ostern!

Frohe Ostern!

Beinahe habe ich vergessen, wie man die Maus bedient und wie sich ein Text tippt, so lange ist es her, seit ich einen Post geschrieben habe. Die durch die Tageseltern bedingten "Ferien", die mich 10 Tage von der Arbeit entfernen, tun ihr Übriges.

Das Tolle an der Pause: endlich Zeit, den stärker werdenden Nestbautrieb auszuleben.
Bei uns in den letzten Tagen geschehen in For von Familienbett-Bau.
2,80m beinahe fertige Bettlandschaft erstreckt sich jetzt in unserem Schlafzimmer und nach den ersten Probenächten lautet das Urteil: Platz tut ungemein gut! ;-D

Warum nur beinahe fertig?
Nun, unser Osterhase der Postbote hat es versäumt, uns rechtzeitig den blauen Samt zuzustellen, mit dem wir das Kopfteil beziehen wollen und aus dem noch eine Husse zu nähen ist.
Daher steht das Bett zwar voll funktionsfähig aber noch etwas blank und wenig aufgerüscht im Raum. Da ich aber in der letzten Zeit neben der Arbeit das Blog ein wenig vollkommen vernachlässige, wird jetzt halt der "nur-funktionsfähig-aber-noch-nicht-hübsche" Zustand dokumentiert.

Wir starteten mit einer Skizze:

Die monströsen Ausmaße des Bettes machten es erforderlich, Bett und Schränke ihren Platz tauschen zu lassen. Für das Bett konnten wir so perfekt die Niesche nutzen, die im Schlafzimmer auf der Wohnzimmerwandseite liegt.

Die Bettenskizze hat der Liebste sinnvoller Weise direkt nach Ende der Bauphase geöscht und ich habe keine Meinung, noch eine zu erstellen. Daher hier nur eine Beschreibung ohne Bild.
Das Bett sollte 2,80x2,00m groß sein. Hierfür kauften wir 2 1,40x2,00m große Lattenroste. Die Lattenroste liegen auf 5 Balken und sind jeweils auf 4 20cm hohe Füße (also insgesamt 20 Füße) geschraubt. Eine grundsolide Sache, die in der Praxis so aussieht:


Jede Lattenrostlatte ist an allen drei Stellen mit den darunterliegenden Balken verschraubt bzw vernagelt - für die Befestigung am jeweils mittleren Balken haben wir nur Nägel verwendet, einfach weil es unglaublich nervtötend ist, 60 Löcher pro Rost vorzubohren.

Auf dieses Gestellt kommt - sobald besagter Stoff ankommt - eine Betthusse aus dunkelblauem Samt, der die Füße verdeckt und das Monstrum ein wenig aufrüschen soll. Da momentan nicht da, liegen da jetzt direkt die Matratzen drauf.


Ein verbleibendes Problem war natürlich die Durchgangstür zum Wohnzimmer. Wie wie in der Probenacht feststellen durften, als Iko schon schlief, fehlte hier gwaltig ein Schallschutz, für den vorher die beiden Kleiderschränke gesorgt hatten. Selbst Flüstergespräche im Wohnzimmer bescherten Iko einen unruhigen Schlaf, von Fantasy-Filmgeräuschen ganz zu schweigen.
Die Lücke musste also gefüllt werden.

Einen nerveraufreibenden Baumarkteinkauf später, an dessen Ende wie wieder einmal begeistert feststellten, dass unser Knutschkugelauto ein echtes Raumwunder ist (es passten hinein: Fahrer, Riesenpaket Dämmmaterial, 4 große Holzplatten für die Tür sowie ein 200x60cm und ein 80x60cm Brett UND ein Kleinkind ordentlich angeschnallt im Kindersitz). Zugegeben: dass Iko auch noch reinpassen würde, damit hatten wir nicht gerechnet, umso größer war unsere Begeisterung, als er dann bequem Platz fand.


Das Dämmmaterial konnte einfach mit einer großen Schere zurchgeschnitten werden, die Holzplatten wurden mit wenigen sehr dünnen Nägeln angenagelt, um den Türrahmen möglichst wenig zu beschädigen.



Nach jedem Sägen sorgte Iko für Sicherheit und entfernte sämtliche Stecker aus den Steckdosen und Verlängerungskabeln.


Um den Vorsprung möglichst wenig auffällig zu gestalten, strichen wir ihn weiß (Acryllack). Später, sollte ich jemals dazu kommen, etwa 4 Stunden am Stück Zeit und Muße zu haben, werde ich dafür noch einen Riesentraumfänger basteln. Den HulaHoop-Reifen und das Garn dafür habe ich schon - allein, es fehlt die Lust, die Friemelarbeit zu beginnen...


Das Kopfteil wurde mit Wandhaken direkt an der Wand befestigt und für das Polstern vorbereitet. Ihr wisst schon, der fehlende Stoff.


Um einen bestmöglichen Kinderritzenreinrutschschutz zu gewährleisten besorgten wir für die Matratzenritze eine Liebesbrücke und J. nähte sowohl die Matratzenschoner als auch die Spannbettlaken zusammen. Jetzt haben wir lückenlosen 2,80m Matratzenspaß UND durchgängige 2,80x2,00m Spannbettlaken. Kann auch nicht jeder von sich behaupten.


Damit war der funktionale Teil des Projektes abgeschlossen und die EIGENTLICH bedeutsame Arbeit der Dekoration konnte beginnen. Und da wir unser altes Boxspring zu einem tollen Preis verkaufen konnten und das neue Bett deutlich günstiger wurde, als befürchtet, war noch ein kleiner Puffer, den ich schnurstrackts in 2 Serape-Decken inverstierte.
Serapes sind diese großartigen Farbexplosionen mexikanischen Decken, die ich im Geheimen schon seit Jahren anschmachte.


 In der rechten Zimmerecke blieb sogar noch Platz für einen Nachttisch.
Hier fand sich in den Kleinanzeigen für wenig Geld eine kleine Kommode, die gemeinsam mit meinem Jugendstilspiegel, einem Wahnsinnslampenfund im hiesigen TKMaxx, Bilderahmen (auch von dort), Pflänzchen und Wecker ein rundes Bild abgibt. Die kleine Ananasförmige Schale, die vor der Lampe steht stammt aus der Home-Abteilung des Kleiderschweden und war ein Fall von Blitzliebe. Sie beherbergt des Nachts die obligatorische Nachtbanane, da Iko immer noch regelmäßig nachts mit Bärenhunger aufwacht und ich schlaftrunken keine Lust habe, in die Küche zu pilgern. Vor allem nicht, um dann eine leere Bananenschale wegzuwerfen.


2,80m nett mit Kissen auszugestalten ist, wie ich feststellen muss, keine leichte Aufgabe. Zunächst einmal besitze ich dafür nicht genug Kissen (unglaublich, aaber wahr). Dann muss das Ergebnis derart leicht herzustellen sein, dass J. sich morgens dazu bereit erklärt, es in seine Morgenroutine zu übernehmen, der macht nämlich wochentags das Bett (und ihm ist schon 1 Kissen beinahe zu viel). Daher die aktuelle Beschränkung auf 3 Kissen, mit denen ich noch nicht so recht zufrieden bin. (S/W Kissen alt vom Schweden, die beiden rosa Kissen aus der Home-Abteilung des Kleiderschweden).


Weil ich sie so schön finde, darf Ikos Bettdecke AUF den Tagesdecken liegen. Sie ist selbstgenäht mit dem entzückendsten Pfeilmuster, das ich bislang gesehen habe. Auf dem Lieblingsflohmarkt fand ich zudem einen kleinen Hocker, durch den der Kleinkindliche Betteinstieg enorm erleichtert wird. Mit wachsendem Babybauch bin ich zudem froh über jede Gelegenheit, Iko NICHT irgendwo hin hochheben zu müssen.

 Das ist der Stand, so war unser Osterfest - statt Ostereiersuche eben Möbelrücken.
Und bei euch so?


Dienstag, 19. Januar 2016

Das Leben ist wie ein Orientierungslauf

Salut ihr Lieben.

In den vergangenen Wochen über den Jahreswechsel bin ich im Leben versunken.
Es schappte einfach so über mich wie eine große Welle und ich ruderte und schwamm nach Leibes Kräften. Vergangenen Freitag wurde mir dann klar: im Ruderboot wäre es gerade leichter!
Mein Ruderboot hat die Form einer kleinen Pause vom Alltag.

Ich habe mich an die Erzählung eines klugen Mannes erinnert, dessen Namen ich immer vergesse (sorry!).

Er machte lange Zeit Orientierungslauf und berichtete, wie er sich selbst beobachtete. Sobald er die Orientierung verloren hatte, fing er meist an, schneller und noch schneller zu laufen.
Die Orientierung kam dadurch natürlich nicht wieder. Er lief nur viel weiter in die falsche Richtung, bis er einsah, dass er anhalten musste, um den richtigen Weg wieder zu finden.
Nach vielen Jahren kannte er jedoch diesen Drang gut und konnte ihm widerstehen.
Verlor er nun die Orientierung, machte er Halt und nahm sich die Zeit, seinen Weg wieder zu finden, um dann in gutem Tempo wieder loszulaufen.

Dass ich nun angehalten habe, tut gut. 
Dass ich zuvor Wochen orientierungslos gelaufen bin, das war einfach nicht effektiv.
So viel sinnlos verbrauchte Energie!

Jetzt, im Ruderboot, erkenne ich langsam wieder den Weg.
Es kommt zum ersten Mal Freude über meine zweite Schwangerschaft auf.
Ich erinnere mich daran, was ich für ein Mensch sein möchte.
Was für eine Mutter.
Welche Art von Ehefrau, Freundin, Schwester.
Sehe wieder, wie ich arbeiten möchte und warum das so ist.

J. sagte mir - da war ich noch kräftig am Schwimmen: "Du musst dich 'boot-strappen'".
Das bedeutet: sich ganz nach Münchhausen-Art am eigenen Schopfe aus dem Sumpf herausziehen.
Recht hat er.
Niemand kann dich besser retten, als du selbst.

Samstag, 14. November 2015

#prayforparis #prayforpeace



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Tage wie dieser erschüttern meinen Glauben daran,
dass wir Menschen uns in eine gute Richtung entwickeln.

Ich kann es nicht fassen, dass wir einander dieses Leid zufügen.
Ich verstehe den Grund nicht.
Ich sehe die Notwendigkeit nicht.
Ich sehe nur die Trauer.
Fühle die erdrückende Last, die der Verlust eines geliebten Menschen bedeutet.

Ich höre die Rede der Kanzlerin und weine.

LIBERTÉ.
EGALITÉ.
FRATERNITÉ.
PAIX!!

Lasst uns trotzdem weiter daran glauben, daran arbeiten.
Und jene trösten, denen diese kostbaren Güter
durch den Wahn anderer gewaltsam genommen wurden.